Alwer

Alwer ist der Name eines nur noch als Begriff existenten Staates auf Aithwa, der mittlerweile in zahlreiche kleinere Regionen zerfallen ist und von wechselnden Kriegsherren regiert wird. Das untergegangene Alwer zeichnete sich durch eine auf einen zentralen Herrscher ausgerichtete Staatsform aus, der als oberster Mittler zwischen einer übergeordneten Götterwelt und den Menschen galt und im Besitz der individuellen Lebenskraft aller Untertanen war.

Einleitung

Die Alwerru, also die Bewohner Alwers, existierten in meinem Kopf lange nur als eine Bedrohung für Doshtranakhi. Die unfreundliche Nachbarn, die homophob sind und Sklaven halten. Mit meinem zweiten Chinabesuch 2009 nahmen sie dann aber auf dem Rückflug auf einmal Gestalt an. Plötzlich war das unfreundliche Verhalten der Kir-Nachbarn die Folge des Zusammenbruchs des zuvor existierenden Reiches von Alwer und die Geschichte um seinen Fall und einen letzten Teil des Reiches, der unter einem General noch versucht die Normalität aufrecht zu erhalten, kroch in mein Gehirn.

 

Halwir HaRayak, eben der General, der ein bisschen Alwer zu retten versucht, verschränkte dann mit seiner Geschichte für mich Alwer mit den Tontagojji hi Natamajja aus dem benachbarten Tojji und den Kir und alles wurde ein bisschen abgerundeter. Ich gebe offen zu, dass Alwer stark von meinem Sinologie-Studium geprägt ist in vielen Bereichen, die vermutlich nicht ganz offensichtlich sind. Es klingt nicht nach China und es sieht nicht aus wie China, aber viele Teile des Denkens haben sich aus meiner Beschäftigung mit dem Daoismus, einer Gruppe indigen-chinesischer religiöser Ansichten und Strömungen entwickelt. Trotzdem hoffe ich, dass die Alwerru eine eigene Identität haben und dass die bittere Stimmung des ganzen Settings ein bisschen durchklingt - denn Alwer war keine schlechte Nation  im Großen und Ganzen und sein Untergang ist eine Katastrophe für seine Bewohner und alle Nachbarn.

Visueller Eindruck

Alwerru sind, ausgehend vom Mitteleuropäer als Vergleich, von ähnlicher Größe und damit groß für Bewohner der Sphäre. Sie sind in der Regel schmal gebaut und haben eher längliche Gesichter; ihr Teint ist für gewöhnlich ein helles braun und Haare und Augen rangieren in den Brauntönen bis hin zu fast schwarz.

 

Männer wie Frauen tragen das Haar in der Regel lang, jedoch immer eingeflochten und/oder hochgesteckt, in den meisten Regionen ist eine Kopfbedeckung verbreitet, die am Hinterkopf offen ist aber Stirn, Scheitel, Schläfen und Nacken bedeckt und in deren phantasievoller Ausgestaltung die Besitzer nur durch ein paar Regeln eingeschränkt sind, die bestimmte Motive und Materialien für spezielle Ränge und Ämter reserviert.

 

Es gab bis zum Untergang des Reiches eine kodifizierte Amtskleidung, die über mehrere Jahrhunderte nahezu unverändert blieb. Unter der 'einfachen' Bevölkerung wurde diese als Feiertagstracht nachgeahmt, für Beamte des Staates war sie Pflicht für alle Handlungen, die mit dem Amt zu tun hatten. In erster Linie bestand die Tracht aus einem weiten, auf komplexe Art gerafften bodenlangen Gewand, das an Schultern und Armen oben mit Zierknöpfen geschlossen wurde. Die Faltenlegung und der steife, dicke Stoff dieses Gewandes verleihen einem Träger eine aufrechte Haltung und gemessene Bewegungen. Außerhalb von offiziellen Amtshandlungen und bei Nicht-Beamteten ist die Bekleidung oft vor allem lokal geprägt und kann stark schwanken. Im Militär allerdings sind weite Hosen, die ab dem Knie in Stiefeln stecken oder mit Bändern umwickelt werden, sowie nach Bedarf mehrere Tuniken übereinander verbreitet gewesen; viele der heutigen lokalen Pseudomilitärs ahmen dies nach.

 

Die Gebäude der Alwerru beruhen vor allem auf einem sehr ausgereiften Holzbau und beeindrucken durch geschnitzte Verzierungen und Säulen aus massiven Stämmen eines in Südalwer verbreiteten Baumes, der mit dem irdischen Redwood Tree verwandt ist.

 

Alwerru lieben starke, klare Farben und jede von ihnen ist mit zahllosen Bedeutungen verbunden, die sich auf die Auswirkung auf Gesundheit sowie die Stellung in einer Familie und der gesamten Gesellschaft bezieht. Die eingewebten Muster in einem Kleidungsstück besitzen damit immer eine Bedeutung aufgrund der Motive und eine zweite aufgrund der Farben.

Weltanschauung

Die Alwerru glauben daran, dass die Welt in drei Ebenen oder drei Reiche aufgeteilt ist. Für gewöhnlich wird eine davon mit unterirdischen Orten und der Tiefe assoziiert, während eine zweite mit dem Himmel und Sternen in Verbindung gebracht wird. Die dritte stellt die alltägliche Welt der Menschen dar.

 

Ein Mensch enthält im Alwerru-Weltbild zwei Komponenten, die jeweils zur unterirdischen und zur himmlischen Welt gehören. Erstere erhält jeder Mensch automatisch bei Geburt und wird als eine Art universelle Lebenskraft verstanden. Generell gehen die Alwerru davon aus, dass diese Kraft in Regionen am stärksten ist, wo es kaum menschlichen Einfluss auf die Natur gibt. Oft werden deswegen bei Krankheiten Aufenthalte in entlegenen Gebieten und Wäldern empfohlen und wer auf seine Gesundheit achtet, lebt lieber auf dem Land als in einer Stadt.

 

Die himmlische Komponente wird als die Individualität, das Gesicht und der Name einer Person gesehen. Diese Komponente erhält man jedoch nicht automatisch, sondern nur wenn er einem vermittelt wird. Der oberste Vermittler ist der Herrscher des traditionellen Staates Alwer und rechtmäßig gehören alle Namen und Identitäten von Alwerru dem Himmel und indirekt ihm als Boten.

 

Aufgrund dieses Zusammenhanges ist es traditionell in Alwer üblich gewesen, seinen eigenen Namen beim Herrscher freizukaufen. Das geschah ursprünglich wohl in Form von Abgaben, die Nahrung und vor allem Wildpflanzen und Wildtiere umfassten. Es ging darum, dem Boten des Himmels etwas aus der Welt des Unterirdischen und der Fruchtbarkeit zu bringen um eines gegen das andere zu tauschen. Modernes Alwer-Geld hat immer noch die Form von Blättern oder Wildtieren und sein Wert wurde bis zum Untergang des Staates vor allem dadurch gesichert, dass es den Freikauf der eigenen Identität ermöglichte.

 

Personen, die die Mittel nicht aufbringen konnten, um ihren Namen freizukaufen, gehörten damit mit ihrer Identität dem Herrscher und konnten von ihm frei zu Arbeitseinsätzen oder zur Armee eingezogen werden. Personen mit ausreichend Geld konnten jeweils sich und ihre Familien für die Lebenszeit freikaufen sowie unter Umständen verstorbene Personen - nur wenn das geschah, konnte man seine Vorfahren als Ahnen verehren, ansonsten ging man davon aus, dass Name und Identität wieder in den Himmel zurückkehrten um dort in einer großen Masse zu verschmelzen.

 

Wirklich reiche Familien hingegen kauften sich selbst, große Teile ihrer Vorfahren und alle potentiellen Nachkommen frei, wobei eine Art Familienpauschale für die Zukunft entrichtet wurde. Die längste so kaufbare Zeit galt für tausend Jahre für alle Nachkommen und die Bezeichnung für den Adel des Reiches Alwer lautete auch 'die Tausendjährigen'.

 

Mit dem Untergang der Bildungselite und der Tempel Alwers hat das System jedoch einige Änderungen erfahren. So sehen sich nun die Kriegsherren, die kleine Teile des alten Reiches übernommen haben, als Besitzer der Identität der Bevölkerung und verlangen neue Freikaufungen - allerdings auch von Ausländern, was zuvor ein Tabu war. Um ihre Kriege zu führen werden viele Mitglieder der ärmeren Schichten vom Feld weg zwangsrekrutiert und im Gegenzug Personen aus benachbarten Staaten entführt und versklavt, Feldarbeit und ähnliches zu betreiben.

 

Die Bedeutung hinter dem Geld und der Rolle des Herrschers ist im Grund gänzlich von kurzlebigen Machtansprüchen und Gier korrumpiert worden und nur im Gebirge südlich des Hauptgebietes der Alwerru hält sich eine  Enklave, die mehr am traditionellen Leben und Denken festhält und einige Tempel hat retten können.