Kir

Eigenbezeichnung der Bevölkerung des Reiches Doshtranakhi, die wörtlich soviel wie 'Asche' bedeutet. Die Kir gelten als die ersten Städtebauer und Schreiber der Sphäre und sind in ganz Aithwa und weiten Teilen Nunukas geachtet für das Alter und die Reife ihrer Kultur, die Schönheit ihrer religiösen Literatur und ihre Religiösität an sich. Die Kirchen der Kir haben sich über Aithwa, Nunuka und sogar Selwe verbreitet und zahlreiche kleinere Kulte hervorgebracht oder inspiriert, aber insgesamt befindet sich das religiöse System in einem friedlichen Gleichgewicht, das keine Dogmenkriege oder Ächtungen anderer kennt.

 

Für viele andere Kulturen befremdlich ist allerdings die Bildungselite der Kir, die von den Staatskirchen des Zwitters und der Zwillinge gestellt wird: Alle ihre Angehörigen sind Männer, die sich rituell als Frau geben und als androgyne Geschöpfe erscheinen, die - je nach Kirchenzugehörigkeit - entweder nahezu aufdringlich bisexuell aktiv oder zölibatär leben.

Einleitung

Die Kir entstanden aus einer kurzen Szene heraus, die androgyne Gestalten und sorgfältig gepflegte Gärten mit Zitrusbäumen beinhaltete. Einige Zeit später waren sie auf einmal die längste durchgehende Kulturgeschichte der Sphäre, bei denen ich die Entwicklung ihrer Sprache und Schrift über mehrere Jahrtausende verfolgt habe. Obendrein sind sie religiös gesehen aus meiner Sicht vorbildlich: Kir verstehen Religion immer als Symbol, als lyrische Umsetzung einer transzendenten Wahrheit, die sich nicht vollständig mit Sprache wiedergeben lässt. Kir kennen keine Dogmen und keinen Streit über die Erscheinungsformen eines göttlichen Wesens, da sie immerzu im Kopf behalten, dass alle Worte nur eine imperfekte Umsetzung dessen sind, was sie glauben und empfinden.

 

Interessanter fanden aber die meisten bisherigen Leser die Kirche des Göttlichen Zwitters, die aus einem großen Haufen gutaussehender junger Männer mit Ambitionen bei beiden Geschlechtern besteht. Es ist einfach so passiert! Ich schwör's! Die Aufmerksamkeit ist dabei jedoch meist sicher. Aber sagen wir es so: wenn andere Autoren knapp bekleidete Bikini-Amazonen in den Ring schicken können, dürfen bei mir ein paar gutaussehende, hoch gebildete, bisexuelle Männer auftreten.

Visueller Eindruck

Die Kir sind auch für die Verhältnisse der Sphäre im Schnitt sehr kleine Menschen, 160m ist der Durchschnitt für Männer, 1,55m für Frauen. In der Regel sind Kir obendrein eher zierlich gebaut mit einem schmalen Brustkorb und eleganten Händen. Ihre Gesichter sind herzförmig, der Teint recht dunkel und die Haare braun oder schwarz.

 

Kir-Männer scheren sich die Haare, Kir-Frauen tragen sie jedoch lang. Stadtbewohnerinnen teilen das Haar gerne in mehrere Strähnen, die jeweils mit einer Zierspange zusammengefasst werden. Alle Kir ziehen leichte, helle Kleidung aus Baumwolle vor und Männer wie Frauen tragen für gewöhnlich eine Art einfache Tunika, deren Länge je nach Anlass und Aufgabe der Person schwankt.

 

Abgesehen davon hat jedoch jede Region Doshtranakhis unterschiedliche Traditionen und Vorlieben, was zusätzliche Kleidung oder Verzierung derselben angeht. Die Kir der unteren Stromregionen tragen gerne Schals aus kunstvoll verzierten Stoffen, die als Kopfbedeckung und um die Schultern gefaltet werden, während viele Kir der Bergregionen leichte Kapuzenmäntel und gefütterte Westen sowie Hosen unter kürzeren Tuniken tragen.

 

Wiederum typisch für fast alle Kir ist jedoch die Angewohnheit, Handflächen und Fußsohlen mit Henna zu färben. Das rot vermengt sich mit der Farbe von Erdstaub, der gerade in den Stromlanden, wo vor allem Sandalen getragen werden, oft ohnehin an den Füßen haftet. Außerdem soll das Henna Glück bringen und vor Schaden bewahren. Oftmals wird die Farbe auch zum Teil auf Hand- und Fußrücken aufgetragen und bildet dort florale Muster wie in feiner Spitze.

Weltanschauung

Kir haben keine konkrete Vorstellung jenseitiger Welten oder ein umfassendes Pantheon, es gehört jedoch unvermeidlich zum Kir-Sein dazu überzeugt zu sein, dass es eine Art transzendente Wahrheit gibt, die sich im Denken und Fühlen von Menschen verbirgt. Was genau diese Wahrheit darstellen soll wird nur in Symbolen und Metaphern ausgedrückt und wäre nie so konkret zu sagen 'und XY erschuf die Welt und den Menschen ' oder 'der Sinn in deinem Leben ist Diesunddas'.

 

Grundsätzlich gehen jedoch die Kirchen der Kir davon aus, dass alles, was existiert, dies im Spannungsfeld zwischen gegensätzlichen Extremen tut. Als größte und umfassendste Metapher für diese Gegensätze verstehen sie die Zwillinge oder den Zwitter, zwei verschiedene Arten diese Gegensätze symbolisch umzusetzen. Im Fall der Zwillinge werden Gegensatzpaare als zwei im Grunde gleiche und dabei dennoch in jeder Hinsicht verschiedene Wesenheiten gesehen, die gemeinsam in einem ewigen Tanz um die Mitte die Welt und alles darin entstehen und vergehen lassen. Im Fall des Zwitters werden alle Gegensätze als harmonisch vereint und vermengt in einer Person gesehen, die sowohl männlich als auch weiblich, jung und alt, kalt und heiß, hart und weich und sonst auch alle Gegensätze zugleich ist.

 

Auch wenn die Kirchen der Zwillinge und der Zwitter ihre Metaphern für die Welt wie Gottheiten behandeln, sind sich jedoch alle Kir einig, dass sie eben Metaphern sind. Sie sind sich jedoch auch darin einig, dass Menschen diese Metaphern brauchen, da sie nicht in der Lage sind, die 'Wahrheit' hinter der Welt direkt zu sehen oder auszusprechen.

 

Die Wahrheit liegt allein im Empfinden, dem Teil des Menschen, den die Kir auls so etwas wie die Seele bezeichnen würden. Allerdings gehen die Kir davon aus, dass Seelen eher spontan dadurch entstehen, dass die Welt eben so ist wie sie ist und im Spannungsfeld zwischen Denken und wahrgenommener Welt etwas jeweils Einzigartiges, Unbegreifliches entsteht. Nach dem Tod vergeht dieses Etwas wieder, daher sind Kir sehr Jetzt-orientierte Menschen, die immer eher dazu neigen, etwas zu vergeben als den Rest ihres Lebens mit Groll zu verbringen, und die jederzeit nach der Lösung suchen, die den wenigsten lebenden Personen Schmerzen oder Schaden verursacht. Traditionen sind für sie zwar wichtig, aber nicht heilig, und das Wohl der Lebenden immer das höchste Ziel.

Historie

Die Kir stellen die älteste durchgehende Kultur der Sphäre dar. Ihr Anfang liegt noch in der Töpferzeit, also über siebentausend Jahre in der Vergangenheit, mit der Entstehung der ersten Städte der Welt. Gleichzeitig entwickelte sich auch das erste Schrift in Form von simplen Pictogrammen.