Jagdvolk - die Kotane

Das Jagdvolk, das sich selbst auch als Kotane bezeichnet, ist eine auf Selwe ansässige Spätmenschenart. Heutzutage ist die auf vielleicht 3000 Individuen zusammengeschrumpfte Gesamtpopulation nur noch im Urwaldgebiet Sahaan im Herzen des Kontinentes anzutreffen.

Visueller Eindruck

Das Jagdvolk ist die dem Homo sapiens lemnicus noch am ehesten ähnelnde Spätmenschenspezies. Ab einer gewissen Entfernung könnten sie stillstehend sogar für Menschen durchgehen. Je näher man kommt, desto mehr Unterschiede werden sichtbar.

 

Die Haarfarbe aller Individuen ist ein dunkles braunschwarz, die Augen sind in allen Fällen ein helles braun, fast bernsteinfarben, abgesetzt mit einem deutlichen schwarzen Rand um die Iris. Die Gesichter erscheinen als schärfer und Grobknochiger, die Kiefer sind kräftig und die Kaumuskeln ebenfalls. Im Kiefer selbst sitzen bis zu 32 Zähne, allerdings sind die äußeren Schneidezähne und die Prämolaren spitzer als beim Homo sapiens lemnicus, so dass mit Eckzähnen zusammen jeweils drei Zähne für das Zerreißen fester und zäher Nahrung wie Fleisch geeignet sind.

 

Vom Körperbau her sind Kotane etwas gesetzter gebaut als der Durchschnitt des Homo sapiens lemnicus, der Brustkorb ist breiter und generell können sie mehr Muskelmasse aufbauen als zum Beispiel die benachbarten amaTheraner.

 

Sie haben wenig Körperbehaarung außer dem Haupthaar, das Barthaar bei Männern ist eher schütter und bildet vor allem Koteletten und einen Kinnbart, allerdings sind auch die eigentlichen Haare recht grob und werden nicht allzu lang.

 

Kotane tragen grundsätzlich nur Kleidung, die sie selber hergestellt haben und die aus dem Leder von Jagdwild oder dem Cambium bestimmter Bäume hergestellt wurde. All das wird mit Mitteln eingefärbt, die ohne Beize auskommen. Die Farbtöne befinden sich daher nur im Bereich von braun und gelb.

Kultur

Man kann von einer für das gesamte Jagdvolk einheitlichen Kultur sprechen, was auch nicht gerade überraschen mag, da erstens nur noch wenige Individuen existieren und zweitens da sie, obwohl in Gruppen umherstreifend, mindestens zweimal im Jahr eine Art Konferenz abhalten, zu der alle Gruppen für einige Tage zusammenkommen und Mitglieder, Informationen und Güter austauschen.

 

Die herausstechendsten kulturellen Merkmale des Jagdvolkes ist der allgegenwärtige, ritualisierte Umgang und die Ausübung von Gewalt, das Matriarchat und zuletzt die Ablehnung zahlreicher Techniken, die bei ihren Homo sapiens lemnicus Nachbarn grundlegend sind.

 

Das Jagdvolk hat einen deutlich stärkeren Drang zur Gewalt und sieht sie auch als Lösunf für alle Konflikte an, jedoch ist der Umgang demit stark ritualisiert. Die gesamte Struktur der einzelnen Gruppen ist baut sich als eine Rangfolge fähiger und weniger fähiger Kämpfer und Jäger aus. Da weit weniger Frauen als Männer geboren werden - bis zum Alter von 18 Jahren hat sich ein bei Geburt noch stärker ungleiches Verhältnis auf ungefähr 1:8 eingepegelt - besteht jede Gruppe aus weit mehr Männern als Frauen. Die Geschlechter werden allerdings als getrennte Gruppen behandelt und beide haben ihre eigene interne Rangfolge.

 

Unter den Frauen wird diese durch Ringkämpfe entschieden, die ohne Waffen und nicht bis zum Tod, sondern bis zur Aufgabe ausgetragen werden. Es gibt generell ein striktes Tabu, Frauen ernsthaft zu verletzen oder gar zu töten. Da die stärkste Kämpferin die Erste, die Anführerin der gesamten Gruppe des Jagdvolkes stellt und ihre Macht vor allem auf Ansehen beruht, reicht auch Beschämung in einem Kampf aus, um das Machtverhältnis zu ändern. Obwohl im Grunde die Herausforderung und der Zweikampf die einzige offizielle Methode stellen, die Position der Ersten zu erhalten, wird oftmals in Gruppen ein Kampf auch zur Schau ausgetragen oder von einer Herausforderung abgesehen, wenn die Erste oder eine Kandidatin eine sehr fähige Anführerin ist, obwohl sie vielleicht in einem Kampf unterlegen sein mag.

 

Die Rangfolge unter den Männern hängt von der Ersten ab, die darüber entscheidet, wer von ihnen sich mit welcher Frau paaren darf. Sie hat dabei immer den Vorzug und mit ihr zu schlafen bedeutet den höchsten Rang. Diese Erlaubnis zur Paarung muss allerdings verdient werden und wird meistens für eine herausragende Jagd, den Sieg in Zweikämpfen untereinander oder die sogenannt Hohe Jagd gewährt. Letztere ist die Jagd auf Menschen, bei der ein Opfer möglichst unverletzt gefangen und im Herzen des Sahaan freigelassen wird. Je mehr zuvor durch die Wahl roter Befiederung als nicht-tödlich gekennzeichnete Pfeile eine nur leichte Verletzung bei der Jagdbeute hervorrufen, bevor sie mit einem schwarz befiederten Pfeil nach Ankündigung mit einem Schuss erlegt wird, desto höher das gewonnene Prestige und desto höher die Chance, für längere Zeit der Favorit der Ersten zu sein und danach noch lange bei anderen Frauen liegen zu dürfen.

 

Die Existenz dieses in letzter Zeit immer seltener werdenden Rituals sowie die Tatsache, dass die Schutztabus nicht für menschliche Frauen gelten und es immer wieder zu Vergewaltigungen durch Jagdvolk-Männer kam, hat den Kotane unter den Homo sapiens lemnicus auf Selwe einen grausamen und erschreckenden Ruf eingebracht. Trotzdem hält man im Norden amaTheras immer noch Kontakte zu den Ersten der Gruppen und der Ersten des gesamten Jagdvolkes, die auf den Versammlungen bestimmt wird, aufrecht. So können Abmachungen geschlossen werden, welche Bereiche des Urwaldes von Menschen genutzt werden können, ohne in Gefahr zu sein, und welche auf keinen Fall.

 

Obendrein gelten sie als 'urtümlich', da sie keine Tiere domestiziert, keine Pflanzen kultiviert und keinerlei Metallverarbeitung entwickelt haben. Tatsächlich wissen die Kotane zumindestens durch Beobachtung von allen drei grundlegenden Techniken, sie weigern sich jedoch, sie zu übernehmen. In ihrem Weltbild besitzt jedes Wesen und bis zu einem gewissen Grad auch andere Dinge wie Felsen oder Wasserläufe neben einer Art urtümlicher Lebenskraft, dem Lna, auch über eine Persönlichkeit, die sogar Tod und Zerstörung überdauert. Dieses Nsa wandert nach dem Tod durch eine Art jenseitiges Reich und bezieht nach Ende der Reise einen neuen Körper in der realen Welt, der der eines Tieres (dazu zählen sie auch Menschen), eines Kotan oder eines Steines und Ähnlichem sein. Die Natur ist also voll mit den Persönlichkeiten ihrer Vorfahren und sie selber werden irgendwann ein Grauhirsch, ein Fluss oder sogar ein Mensch werden.

 

Die höchste Demütigung, die ein Kotan sich vorstellen kann ist die, sein ganzes Leben einem anderen unfreiwillig zu dienen. In der Haltung von Vieh und der Züchtung von Pflanzen sehen sie die höchstmögliche Form dieses Prinzips von Demütigung und weigern sich, daran teil zu haben, da sie selbst und ihre Vorfahren darunter leiden könnten.

 

Eine ähnliche Bewandnis hat es mit Metallen. Sie gelden als höchst potente Materialien, die den Zugang zum jenseitigen Reich, in dem die Persönlichkeiten wandern, verschließen können. Metall bei sich zu tragen hieße also im Todesfall, dass die Persönlichkeit nie dort ankommen könnte und statt dessen ebenso sterben müsste wie der Körper. Außerdem verhindert es die Rückkehr von Persönlichkeiten, weswegen alle Nahrungsmittel, die mit Metallklingen geschnitten wurden oder auf Boden wachsen, der mit einem Metallpflug bearbeitet wurde, als tot oder nahezu tot und daher höchst ungesund gelten.

 

Darum verwenden die Kotane nur Flint, Holz, Knochen und Geweih als Grundstoff für ihre Werkzeuge, haben es aber darin zu einer mittlerweile lange schon stagnierten Perfektion gebracht.