Schneefüchse

Schneefüchse sind eine Spätmenschenart, die auf dem gesamten Kontinent Sviyinn beheimatet war, mittlerweile jedoch ähnlich wie das Jagdvolk auf wenige tausend Individuen geschrumpft sind und auch jedes Jahr zusehends weniger werden. Grund dafür ist die Vertreibung aus ihrem Lebensraum durch den Homo sapiens lemnicus in Regionen, die sich mit ihrer Anpassung an die polaren Regionen nicht vertragen.

 

Ähnlich wie das Jagdvolk auf Selwe sind Schneefüchse in der Lage, mit 'echten Menschen' Nachkommen zu produzieren -allerdings nur bei einem Schneefuchs-Vater und einer menschlichen Mutter. Die Kinder sind allesamt männlich und selbst unfruchtbar. Im größten Kulturkreis Sviyinns haben diese Nachkommen dennoch eine wichtige Rolle gespielt und sie nachhaltig beeinflusst.

 

Mehr zu diesen sogenannten Bleichen findet sich im entsprechenden Unterpunkt.

Visueller Eindruck

Schneefüchse sind einem saisonalen Dimorphismus unterworfen, das heißt die starke Veränderung von Tag-Nach-Rhythmen zum Wechsel von Winter und Sommer signalisieren ihrem Körper, Veränderungen in Vorbereitung auf die neue Jahreszeit vorzunehmen.

 

Generell gilt für beide Formen, dass Schneefüchse erstaunlich groß sind und sogar bis zu zwei Meter und knapp darüber erreichen können. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind schwach ausgeprägt, in erster Linie handelt es sich um die Beckenform; die Brüste der Frauen sind flach und unscheinbar, die Körper ähnlich sehnig und kraftvoll wie die der Männer. Sie haben ein Allesfressergebiss, das bis auf die etwas stärkeren Eckzähne dem eines Homo sapiens lemnicus sehr ähnelt. Die Genitalien der Männer können nahezu ganz in den Unterleib zurückschrumpfen und fallen nur bei Erregung ernsthaft auf.

 

Die Sommerform der Schneefüchse ist hellbeige, was jedoch aus der Entfernung wie Haut wirkt ist ein sehr feiner Pelz über einer dunklen, fast schwarzen Haut. Am Schädel bildet sich daraus ein sehr feines, flusiges Haar, das so lange wird wie es im Sommer Zeit zum Wachsen hat. Die Augen sind klar mit einer bräunlichen Iris, die auch fast schwarz sein kann. Schneefüchse im Sommer erscheinen schlank und athletisch und legen in langen Wanderungen weite Strecken zurück. Jetzt finden sie sich auch zu kleinen Gruppen zusammen, die ohne erkennbare Kommunikation gemeinsam das Land durchstreifen, Nahrung suchen und sich paaren. Kinder werden grundsätzlich im Frühjahr geboren und besitzen von Anfang an die Sommerform.

 

Die Winterform beginnt sich im Herbst auszuprägen. Die Schneefüchse gewinnen so schnell als möglich Gewicht und verfallen regelrecht in einen Fresswahn, in dem sie ihre gesamt Umgebung durchstöbern und nahezu alles in sich hineinstopfen. In dieser Jahreszeit trennen sich die Gruppen in Individuen oder Mütter mit Kindern aus demselben Jahr und suchen sich eigene Territorien, in denen sie Kahlfraß betreiben.

 

Gleichzeitig wird der feine Pelz gegen einen weißen eingetauscht, der aus einem dichten Unterkleid und langen Grannenhaaren über schwarzer Haut besteht. Die Grannen werden mithilfe spezieller Drüsen am Halsansatz, in den Ellenbeugen und an den Knien gefettet und bilden eine wasserabweisende Schutzschicht. Das Haupthaar wird ebenfalls weiß und weniger fein als das Sommerhaar, wächst jedoch mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit auf mindestens  Schulterlänge, bis der polare Winter eintritt.

 

Zugleich färben sich die Augen um, eine Drüse neben der Tränendrüse produziert ein Sekret, das einen fast schwarz erscheinenden Film bildet, der die Augen vor zuviel Lichteinfall und Schneeblindheit schützt. Wenn der Winter schließlich kommt, haben sich die schlanken, hellbraunen Gestalten des Sommers in massige, weiße Monster mit schwarzen Augen verwandelt. Die sieht man jedoch selten, da ab einer gewissen Nachtlänge Schneefüchse in eine Winterruhe gehen und nur aufwachen, wenn ihre Körpertemperatur zu weit fällt oder sie gestört werden. Dann machen sie sich jedoch ohne Vorsicht auf die Suche nach Nahrung und sind extrem reizbar.

Kultur

Schneefüchse haben keine wirkliche Kultur, jedoch einige hervorstechende psychologische Merkmale. Die Gruppen, die sich im Sommer zusammenfinden, weisen keine erkennbare Machtstruktur auf. Wie genau sie Entscheidungen treffen ist schwer nachzuvollziehen aber oft kann man Gruppen beobachten, die lange an einem Ort verharren, bis sie plötzlich gemeinsam in eine bestimmte Richtung weiterziehen.

 

Dabei kommunizieren sie nicht in Worten - sie kennen nur sehr wenige Wörter und eine rudimentäre Grammatik, die Sprache wird vor allem zum Benennen von Nahrung und Personen verwendet - sondern durch minimale Gesten und Änderung der Körperhaltung. Wenn genügend Mitglieder einer Gruppe eine Richtung durch ihre Haltung als bevorzugt anzeige, schließen sich schließlich die anderen an und die Reise wird gemeinsam fortgesetzt. Im Grunde werden alle Entscheidungen durch diese langsame, stille Form der Meinungsbildung und Mehrheitsabstimmung getroffen.

 

Schneefüchse in ihrer Sommerform sind wenig aggressiv, jedoch sehr neugierig. Sie besitzen einen Sinn für eine sehr eigene Ästhetik und sammeln Gegenstände oder auch Lebewesen, die diesen Sinn ansprechen. Dabei scheinen sie keine Vorstellung vom Schmerz von Nicht-Schneefüchsen zu haben und brechen hübschen Vögeln die Flügel oder schleifen Menschen schlicht mit ihrer überlegenen Stärke mit.

 

In ihrer Winterform sind Schneefüchse strikte Einzelgänger und reagieren auf Artgenossen aggressiv. Anderen Lebewesen gegenüber kennen sie nur einen Jagdtrieb und von Kleintieren bis hin zu Polarkamelen und sogar Menschen ist jedes andere Wesen für sie Nahrung.

Vertreibung und Gruselgestalten

Die Homo sapiens lemnicus-Bewohner des Kontinentes Sviyinn haben sich seit jeher mehr schlecht als recht mit den Schneefüchsen arrangiert. In einer körperlichen Auseinandersetzung ist ein 'normaler' Mensch einem Schneefuchs in jedem Fall unterlegen, wenn sie im Sommer in Gruppen auftauchen kann man sie fast nicht aufhalten, sollten sie sich eine Route quer durch eine Siedlung in den Kopf gesetzt haben.

 

Erst mit der Neuzeit hat sich das geändert - die zunehmende Bevölkerungszahl der Menschen und die Entwicklung neuer Waffen auf Sprengstoffbasis hat das Gleichgewicht der Kräfte deutlich verschoben. Wehrten sich Dorfbewohner früher, indem sie den Schneefüchsen, die Schönheit als hohes Gut zu schätzen scheinen, hübsche und junge Menschen als Ablenkung entgegenschickten, so können sie jetzt die ungebetenen Besucher problemlos mit Sprengsätzen und Brandbomben vertreiben.

 

Beides hat dafür gesorgt, dass viele Schneefüchse nach Norden ausgewichen sind und teilweise auf primitiven Flößen oder in von Fischern gestohlenen Booten sogar auf die Inseln des Meers der Brücken übergesetzt haben. In diesen Breitengraden reicht jedoch die Schwankung der Tageslänge nicht mehr aus, um ihren saisonalen Dimorphismus auszulösen. Das heißt, dass die Schneefüchse in der Regel in ihre Sommerform wechseln und diese nicht mehr ablegen. Der permanente Bewegungsdrang, der für diese Form charakteristisch ist, und der Trieb, sich zu Gruppen zusammenzufinden, scheint jedoch der geistigen Gesundheit abträglich: unter Sommerstress leidende Schneefüchse werden immer aggressiver und wenden sich schließlich auch gegeneinander.

 

Ein anderer Effekt der Ausbreitung der Menschen und vor allem der veheerenden Grabenkriege ist das Wecken von Schneefüchsen aus der Winterruhe. Gruselgeschichten von massigen, weißen Monstern, die sich überraschend aus einer durch Grabenanlagen angestochenen Höhle wälzen und alles töten, was ihnen über den Weg läuft, haben dieses Phänomen zu einem festen Horror-Element in sviyinn'schen Erzählungen gemacht.

 

Sommerstress und die Störung der Winterruhe sowie das Schwinden ihres Lebensraumes grundsätzlich werden vermutlich auch in Zukunft die Zahlen der Schneefüchse abnehmen lassen und voraussichtlich werden sie die einsetzende Industrialisierung nicht lange überleben, außer als Gruselmärchen.