Wanderer und Lemnie

Wanderer sind Personen mit der Begabung, luzide zu träumen und auch im Wachzustand den Teil ihrer Persönlichkeit, der träumt, in bestimmte Regionen des Traumes zu versetzen und so eine Technik anzuwenden, die Lemnie genannt wird.

 

Bei Lemnie wird im Grunde dadurch, dass der Träumende Teil des Menschen - das lemna - im Einklang mit bestimmten Konstrukten im Traum - den sogenannten Pfaden oder Wegen - den Wanderer dazu befähigt, Dinge zu tun, die eigentlich unmöglich sein sollten.

 

Unterschieden werden dabei die sogenannten sphärischen Pfade, die sich mit der unnatürlichen Beeinflussung von Materie beschäftigen, die abstrakten Pfade, die vor allem auf das Denken von Personen Einfluss nehmen können, die metaphorischen Pfade, die nur eine Kraftwirkung aber keine sichtbaren Phänomene umfassen, und die irrealen Pfade, deren Wirkungsweise nicht annähernd verstanden werden kann. Eine umstrittene und sehr seltene Gruppe bilden wiederum die mythischen Pfade, von denen nur einer noch von einer größeren Gruppe beschritten wird.

 

Unter den sphärischen Pfaden findet man zum Beispiel den Pfad der Flamme, der einem Wanderer zunächst die Fähigkeit verleiht, eine Flamme oder ein Feuer zu erspüren, auch wenn er sie nicht sehen oder anders wahrnehmen kann. Ein sehr erfahrener Wanderer kann schließlich das Feuer nicht nur wahrnehmen, sondern auch manipulieren und Gegenstände zur spontanen Entzündung bringen. Ähnlich verhält es sich mit Pfaden, die sich Wasser, Eis (kurioserweise getrennt voneinander), Metallen oder Pflanzen widmen.

 

Bei den abstrakten Pfaden sind nur drei bekannt, die in amaThera als Stummes Sprechen, Lauschen in der Stille und Befehl in der Stille bekannt sind. Ersteres ermöglicht es, Botschaften an andere Personen zu übermitteln, ohne tatsächliche Sprache oder Schrift zu verwenden, zweiterer erlaubt dem Wanderer, Informationen aus der Gedankenwelt eines anderen zu holen und der dritte ermöglicht es, Befehle auszusprechen, denen man sich nicht verweigern kann.

 

Die metaphorischen Pfade setzen, nach amaTheranischem Verständnis, Sprachbilder wie Willensstärke oder Geistesschärfe (ähnliche Begriffe gibt es auch im amaTheranischen) real werden zu lassen. Ein Wanderer kann so durch seinen Willen allein Dinge bewegen, heben, aufhalten und sogar zerschneiden oder anderweitig beschädigen.

 

Die irrealen Pfade schließlich umfassen ein weites Spektrum unerklärbarer Phänomene, vom Pfad der lebenden Schatten, dessen Anwender sich ungesehen im Zwielicht bewegen und mit Dunkelheit verschmelzen können, um so zu einem anderen, auch dunklen Ort zu gelangen bis hin zum Pfad der unendlichen Wandlung, der es Wanderer erlaubt, ihre Gestalt beliebig in die von Tieren zu verändern.

 

Vermutlich gab es einmal sieben mythische Pfade, aber tatsächlich genutzt wird nur noch der Pfad des Feuervogels. Wanderer dieses Pfades haben Fähigkeiten, die im Grunde dem Pfad der Flammen ähneln, nur dass das manipulierte und erzeugte Feuer unecht wirkt, bernsteinfarben ist und einen fast kristallinen Eindruck macht. Zudem können die Wanderer unglaubliche Energien mit ihrer Lemnie freisetzen, wenn sie dabei das eigene Leben opfern. In amaThera, wo dieser Pfad vor allem beschritten wird, werden alle entdeckten Wanderer des Feuervogels in den Orden der Fahae aufgenommen, die sich dem Schutz des Herrschers verschrieben haben.

Körperliche Veränderung

Wanderer, die ihre Kräfte auch verwenden, erkennt man meistens sehr leicht, da alle von ihnen mit der Zeit spezielle körperliche Merkmale aufweisen. Die Theorie dahinter ist, das bei jeder Verwendung von Lemnie ein bisschen des Traumes in die Sphäre dringt und zwar in den Körper des Wanderers. Der Seinszustand der Unbeständigen Welt hinterlässt dabei Spuren an der Psyche und Physis des Wanderers und macht ihn mit jeder Anwendung etwas weniger menschlich.

 

Generell leben aktive Wanderer länger als Nichtwanderer und bleiben auch im höheren Alter körperlich zumindestens beweglich und leiden selten unter Altersgebrechlichkeit oder -demenz. Hinzu kommen veränderungen meist der Hautpigmentierung, der Skelettstruktur, der Augen, der Haare und zuweilen sogar noch tiefgreifendere Veränderungen wie das Umwandeln von Körperteilen in ansonsten unbekannte Stoffe, das Wachsen neuer Körperteile oder eine radikale Veränderung der Hautstruktur.

 

Jeder Pfad hat dabei ein spezifisches Schema für das Aussehen, das so mit der Zeit entsteht. Wanderer, die sich vor allem dem Pfad der Flamme widmen, erhalten mit der Zeit eine bronzefarbene, metallisch schimmernde Haut, goldrote Haare, schwarze Augen und eine nahezu ausgemergelte Gestalt. Wanderer auf dem Pfad des Lauschens in der Stille hingegen entwickeln sogenannte Himmelsaugen, bei denen der gesamte Augapfel bis auf die Pupille die Farbe eines wolkigen Himmels annimmt, und eine zunehmend stärker werdende Schneckenhausform des Schädels.

Luzides Träumen

Beim luziden Träumen können Wanderer ihren träumenden Wesensteil - das lemna - gezielt durch den Traum bewegen. Dabei nehmen sie die Unbeständige Welt als ein Set von visuellen Symbolen und Metaphern wahr, was vermutlich eine Art Selbstschutz darstellt, um die Fremdartigkeit des Ortes erträglich zu machen.

 

Die Fähigkeit zum luziden Träumen wird häufig bei der Ausbildung in der Lemnie vernachlässigt und einzig bei den Cojocalawpeh wird diese Anwendung der Gabe eines Wanderers der aktiven Lemnie vorgezogen und ganze Familienverbände von Wanderer treffen sich in der Unbeständigen Welt, um Pfade zu untersuchen oder regelrechte Jagd auf die Wesenheiten des Traums zu machen.

Traumparallele Gegenstände

Traumparallele Gegenstände sind ein seltenes Phänomen und erfordern zur Herstellung eine sehr gut geübte Fähigkeit im luziden Träumen. Im Grunde wird dazu ein Ort des Traumes mit einem Gegenstand in der physischen Welt der Sphäre verbunden, ähnlich wie ein Wanderer bei der Anwendung von Lemnie durch sein lemna mit den Pfaden des Traumes verbunden ist.

 

Dadurch erhält man zugleich einen Gegenstand in der Sphäre, der unnatürliche Eigenschaften haben kann, und einen Ort im Traum, über den man gewisse Macht ausüben kann. Die Möglichkeiten dieser Techniken sind nur sehr wenig erforscht und im Grunde arbeiten nur die Wanderer der Cojocalawpeh an solchen Projekten und das seit Generationen.