Rezensionen

Wenn mich etwas richtig begeistert hat - oder richtig wütend gemacht - muss es besprochen werden. Da meine Meinungsäußerungen angeblich sehr unterhaltsam sind, werde ich sie in Zukunft hier festhalten.

Legende der Wächter

Nein, keine depressiven russischen Magier, sondern eher StarWars mit Eulen. Hört sich seltsam an, ist es auch, macht aber Spaß.

Es handelt sich um die Verfilmung von gleich drei Büchern von Kathryn Lasky - die ich (leider) nicht gelesen habe, weswegen ich kaum etwas dazu sagen kann, wie nahe der Film an der Vorlage ist. Ein kurzer Überblick über ein paar Fanwikis hat nur ergeben, dass der Anfang wohl praktisch identisch ist und nur das Ende und die Auflösung der Erzählung abweichen.


Zum Inhalt: Der Schleiereulen-Junge Soren wächst mit seinem gleich alten Bruder Kludd und seiner kleinen Schwester Eglantine in einem Nest auf, das nicht nur von der Eulenfamilie inklusive Mutter und Vater, sondern auch von der Schlange Mrs. P bewohnt wird. Soren ist ein Träumer und erzählt immer wieder die Geschichten, die schon sein Vater auswendig kennt, von den legendären Wächtern von Ga'Hoole und dem Helden Lyze von Kiel, der den Despoten Eisenschnabel im Krieg der Eisklauen besiegt hat. Beim Fliegen Lernen stellt er sich vor, er wäre Lyze, mit seiner kleinen Schwester spielt er die Entscheidungsschlacht nach und sein Bruder ist ausreichend genervt.

Und dann endet das glückliche kleine Eulenleben, denn nach einem unbeaufsichtigten und schief gelaufenen Übungsflug werden Soren und Kludd von Uhus eingesammelt, die sie an einen Ort namens St. Aegolius entführen. Dort werden zahlreiche, noch nicht flügge gewordene Eulenkinder hingebracht und die meisten sollen, nachdem eine Nacht im Mondlicht sie seltsam gefügig gemacht hat, nie das Fliegen lernen und arbeiten. Schleiereulen jedoch, Tytos, gelten als die Reinsten aller Eulen und herrschen über alle anderen. Ihr Anführer und seine Königin machen aus freiwilligen Schleiereulen Krieger, um andere Eulenkönigreiche zu überfallen und zu bezwingen.

Hier trennen sich auch Kludd und Soren - letzterer setzt sich für ein winziges Elfenkäuzchen namens Gylfie ein und wird zum Arbeiter gestempelt, Kludd jedoch schließt sich den angehenden Kriegern an. Mit Hilfe eines Wächters, der nur wegen einer Drohung gegen seine Familie für die 'Reinsten' wie sich die Schleiereulen nennen, arbeitet, lernen Soren und Gylfie jedoch das Fliegen und Fliehen. Ihr Ziel ist klar: die legendären Wächter von Ga'Hoole zu finden und ihnen zu berichten, dass sich eine Armee gegen sei aufbaut und diese über ein seltsames Metall verfügen, das Eulen allein durch seine Nähe schadet.

Die Story hat nicht viele Überraschungen, sie gibt einem klare Helden und Bösewichter und einen aus zehn Meilen zu sehenden Comic Relief. Alles wirkt auch ein bisschen gedrängt, vielleicht weil gleich drei Bücher in diesen Film gefasst wurden, und zuweilen hat man auch den Eindruck, dass geschnitten ist, um auf das junge Zielpublikum einzugehen - wenig sinnig bei einem Animationsfilm, aber so wirkt es einfach.

Das große Problem des Films ist auch, dass er nicht so recht weiß, an wen er sich richtet. Für Erwachsene sind die Charaktere dann doch ein bisschen zu disneyhaft und die Witze anspruchslos, für Kinder ist der Krieg der Eulen im Gegenzug überraschend hart und schon eine der ersten Einstellungen - wie eine Maus von einer Eule geschlagen wird - sagt eigentlich schon: Hier gibts kein Heulen um Bambi! Wer innerhalb der 1min-Marke ein plüschiges süßes Tier tötet, wird auch nicht gerade von Eltern geliebt werden. (Ich gehe immer davon aus, dass Kinder das anders sehen als man das als Erwachsener tut, also ist der Film vielleicht dahingehend schlauer als die Eltern... naja)

Was den Film auf jeden Fall sehenswert macht sind seine beeindruckenden Bilder. Hier hat sich der Regisseur von 300 und Watchmen, Zack Snyder, mit dem Studio von Happy Feet zusammengetan. Ersterer hat, auch wenn ich bei 300 irgendwann einen Sixpack-Overload hatte und nur noch auf das Ende der Fleischereiwerbung wartete, einen Sinn für fast schon überzogen starke visuelle Eindrücke. Und er liebt die Zeitlupe. Happy Feet ist ein Animationsfilm, der glaube ich nicht so erfolgreich war - vielleicht auch weil die Pinguin-Protagonisten und ihre ganze Welt extrem realistisch animiert wurden. So kommen auch die Wächter-Eulen ohne Disney-Augenbrauen aus und wirklich große Freiheit wird sich nur bei den Eulenmündern genommen, um trotz Schnabel noch einen emotionalen Ausdruck zu erzeugen. Bei ihnen ist von jeder Feder jedes Fizzelchen einzeln animiert und wenn Soren vor der Kamera in Zeitlupe eine Kehre macht, kann man die Federspitzen an der Nase kitzeln spüren - und das obwohl ich den Film NICHT in 3D gesehen habe. Wie er dann wirkt, kann ich mir fast gar nicht ausmalen.

Die Action - Luftkampf en masse! - ist bombastisch inszeniert und die gesamte Eulenwelt unglaublich schick designt, sie könnte direkt aus einem Bild von Alan Lee gesprungen sein und die kuriosen Masken und Klauenwaffen der Eulenkrieger wirken, als hätten die Weta Workshops sie hergestellt. Mann kann sich gar nicht sattsehen an all den schönen Bildern und das einzige, was das Ästhetikempfinden zuweilen stört, ist dass die Eulen eben einen realistischen und keinen Disney-Körperbau haben. Wer allerdings bei der kleinen, im Babygefieder steckenden Eglantine nicht zerfließt, hat kein Herz. :P

Zuletzt: warum es als StarWars mit Eulen bezeichnen? Die Inszenierung der Guten und der Bösen, der Sith und der Jedi, die Charaktere, der Konflikt zwischen Soren und Kludd... all das wirkt sehr nahe verwandt mit StarWars oder damit, wie man es sich vor den Prequels vorgestellt hat. Mein Freund und ich stellten beide hinterher fest, dass der Endkampf sehr viel mehr dem ähnelte, was wir zwischen Anakin und Obi-Wan mal im Kopf hatten, als das, was wir von Lucas bekommen haben. Wir zwei kleinen Nerds. Dazu kommen dramatische und visuell höchst beeindruckende Luftschlachten anstelle von Raumschlachten und voilá: StarWars. Nur mit Eulen.

Das heißt aber auch: nix Neues außer Eulen. Das gibt dem Ganzen etwas seltsam Frisches und macht durch die Spezies-Distanz auch die Sinnigkeit oder Sinnlosigkeit von menschlichen Ideen und Idealen anders greifbar als wenn man Menschen als Protagonisten hätte. Eulen vertrauen ihrem Magen und nicht ihrem Herzen, wenn sie Helden und Böswichter spielen setzen sie sich falsche Schnäbel aus trockenen Blättern auf anstatt Holzschwerter zu schwingen, aber sie führen genauso Krieg wie Menschen.

Mir hat der Film sehr gut gefallen und wenn Heinz herausbekommt, dass ich ohne ihn reingegangen bin, wird er vermutlich fuchsteufelswild. Mir sind aber auch seine erzählerischen Schwächen bewusst und dass er sie mit viel schönen Animationen und fliegenden Federn und putzigen Eulen übertüncht.

Daher 'nur' sieben von zehn megasüßen Eulenbabies. Ein halbes ging daran verloren, dass mitten im Film ein schmuseweicher Poprockirgendwassong den ansonsten soliden Soundtrack unterbricht.